Joel Wicki erlöste die Innerschweizer und brachte nach dem Schlussgangerfolg über Matthias Aeschbacher den Königstitel nach 36 Jahren endlich wieder in die Innerschweiz. Zur Freude der Rottaler sicherte sich Sven Schurtenberger seinen dritten ESAF-Kranz. Das gigantische Fest in Pratteln ging reibungslos und ohne grosse Zwischenfälle über die Bühne.
Bereits um 7:30 Uhr am Samstagmorgen beim Einzug der Schwinger war die Arena in Pratteln prall gefüllt und es herrschte eine Super-Stimmung. Lautstark wurde die Nationalhymne von den über 50’000 Zuschauern mitgesungen. Vielen Athleten bescherte die eindrucksvolle Kulisse regelrecht Gänsehaut. Die Ausgangslage vor dem ersten Gang war offen. Während die Nordostschweizer auf ihre Zugpferde Samuel Giger, Armon Orlik, Damian Ott und Werner Schlegel hofften, war man bei den Bernern auf das Abschneiden von Titelverteidiger Christian Stucki, Fabian Staudenmann, Adrian Walther, Matthias Aeschbacher und Kilian Wenger gespannt. Mit Joel Wicki und Pirmin Reichmuth hatten auch die Innerschweizer zwei Anwärter auf die Krone am Start. Den Nordwest- und Südwestschweizern wurden lediglich Aussenseiterchancen eingeräumt. Von ihren Betreuern optimal eingestellt schritten die Schwinger dann beim Anschwingen top fokussiert zur Tat.
Erster Wettkampftag
Einen ganz starken Wettkampfstart schaffte der Zuger Eidgenosse Pirmin Reichmuth, welcher sich am Samstag lauter Siege holte. Er bodigte der Reihe nach Remo Käser, Ruedi Roschi und die beiden Mitfavoriten Matthias Aeschbacher und Christian Stucki. Auch der zweite Innerschweizer-Trumpf, Joel Wicki, konnte nach dem Startunentschieden gegen den Berner Adrian Walther aufdrehen und sich drei Siege über Matthieu Burger, Nick Alpiger und Roger Rychen sichern.
Mit Samuel Giger musste der meistgenannte Königsfavorit bereits nach dem dritten Gang seine Ambitionen auf die Krone begraben. Nach dem Gestellten gegen Fabian Staudenmann im ersten Gang verlor er überraschend gegen den Aargauer Joel Strebel im dritten Gang. Seinem Verbandskollegen Damian Ott lief es nicht besser und fiel durch die zwei Niederlagen gegen Christian Stucki und Lorenz Berger schon früh aus der Entscheidung. Die meisten Mitfavoriten von den anderen Teilverbänden blieben meist mit drei Siegen und jeweils einem verlorenen oder gestellten Gang weiter im Rennen um den Königstitel. Mit dem Punktemaximum stand etwas überraschend der junge, aufstrebende Basler Adrian Odermatt an der Ranglistenspitze. Odermatt bodigte am Samstag gleich drei Eidgenossen.
Zweiter Wettkampftag
Joel Wicki vermochte auch am Sonntag zu überzeugen und bodigte erst den Halbzeitführenden Adrian Odermatt und anschliessend den Berner Mitfavoriten Matthias Aeschbacher. Im Kampf um den Einzug in den Schlussgang stellte er gegen den Berner Ausnahmekönner Fabian Staudenmann. Dank vielen Maximalnoten sicherte sich Wicki so dennoch hochverdient die Schlussgangqualifikation. Dort hätte es auch zu einem reinen Innerschweizer-Duell kommen können, da Pirmin Reichmuth auch am Sonntag eine starke Leistung abrufen konnte. Nach dem Sieg gegen Domenic Schneider im fünften Gang verlor er zwar gegen Staudenmann im sechsten, konnte aber dank seinen fünf Siegen zuvor noch immer auf eine Schlussgangteilnahme hoffen. Dieser Traum platzte dann aber im Kampf gegen Bernhard Kämpf. Der Kampfrichter übersah erst ein gültiges Resultat von Reichmuth und in der Folge konnte Kämpf das Innerschweizer Aushängeschild auskontern. Kämpf ebnete so den Weg für den Schlussgangeinzug seines Verbandskollegen Matthias Aeschbacher.
Schwingerkönig Wicki
Während es für den Berner Eidgenossen Matthias Aeschbacher die erste Schlussgangteilnahme an einem Eidgenössischen Schwingfest war, schaffte der Sörenberger Joel Wicki dasselbe Kunststück bereits drei Jahre zuvor in Zug. Dort musste er sich dem Berner Hünen Christian Stucki geschlagen geben und verpasste den Königstitel noch denkbar knapp. In der Schlussrangliste wies er damals zwar die gleiche Punktzahl wie Stucki aus, jedoch blieb ihm durch die Schlussgangniederlage lediglich der Titel als Erstgekrönter. Die Berner konnten damals einmal mehr die Krone in ihren Reihen halten. In Pratteln war dann aber das Entlebucher Kraftpaket an der Reihe. Aeschbacher verlangte dem Kurzspezialisten jedoch alles ab. Mehrmals blieb dem Innerschweizer Publikum der Atem weg, doch Wicki löste sich mehrmals geschickt aus den brenzligen Situationen. Mit einer riesigen Willensleistung bettete er nach 12:45 Minuten mittels Lätz seinen Widersacher platt ins Sägemehl. Nach 36 Jahren Wartezeit erlöste Wicki seine Fans und holte den Königstitel erstmals seit Harry Knüsel 1986 in Sion wieder in die Innerschweiz. Ein hochverdienter Sieg für den bodenständigen Publikumsliebling.
Schurtenberger mit Kranz
Nach Estavayer 2016 und Zug 2019 sicherte sich Sven Schurtenberger in Pratteln zur Freude der Rottaler seinen dritten ESAF-Kranz in seiner Karriere. Der Buttisholzer startete mit einem Sieg gegen den Thurgauer Eidgenossen Stefan Burkhalter in den Wettkampf. Im zweiten Gang musste er dann etwas überraschend einen Gestellten gegen Stephan von Büren hinnehmen, kam dann aber im dritten Gang zu einem Favoritensieg über Roman Wittenwiler. Den ersten Wettkampftag beendete Sven schliesslich mit einem Gestellten gegen den Berner Eidgenossen Florian Gnägi. Am Sonntagmorgen wurde ihm der unbequeme Berner Michael Ledermann zugeteilt. Auch gegen den Saisonaufsteiger fand der kräftige Rottaler kein passendes Rezept und musste eine weitere Punkteteilung hinnehmen. Seine Kranzchancen wahrte Sven mit den zwei Siegen über Thomas Stüdeli und Lars Voggensperger im sechsten und siebten Gang. Im Kampf um das begehrte Eichenlaub bekam es Sven mit dem Bündner Mitfavoriten Armon Orlik zu tun. Taktisch clever eingestellt trotzte er seinem Gegner ein Remis ab, welches ihm in der Endabrechnung den verdienten Kranzgewinn einbrachte. Mit 74.75 Punkten landete er auf dem starken neunten Schlussrang.
Zwei weitere Rottaler überzeugen
Die beiden Rottaler Damian Stöckli und Samuel Schwyzer vermochten bei ihrem ersten Einsatz an einem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest zu überzeugen. Mit drei Siegen, vier Gestellten und nur einer Niederlage klassierte sich Samuel im zwölften Schlussrang. Leider konnte Samuel nach dem Gestellten gegen Kaj Hügli im siebten Gang nicht mehr um das begehrte Eichenlaub schwingen. Sein Ziel acht Gänge schwingen zu können, schaffte die grosse Rottaler Nachwuchshoffnung aber dank grossem Kampfgeist und guter Wettkampfübersicht. Samuel konnte mit seinem Auftritt in Pratteln viele wertvolle Erfahrungen für den weiteren Karriereverlauf sammeln.
Einen Rang hinter Samuel reihte sich der stark aufschwingende Damian Stöckli ein. Mit zwei Siegen und zwei Niederlagen schaffte sich Damian am Samstag eine gute Ausgangslage für den zweiten Wettkampftag. Nach dem Sieg gegen Samuel Brun im fünften Gang musste er eine Niederlage gegen den Eidgenossen Martin Roth im sechsten Gang einstecken. Mit einer überzeugenden Willensleistung bodigte Damian im siebten Gang Silvio Oettli mit der Maximalnote und wahrte sich so die Kranzchancen im achten Gang. Mit David Schmid bekam er es dort dann aber mit einem sehr verteidigungsstarken Eidgenossen zu tun. Damian kämpfte aber beherzt und forderte seinem favorisierten Gegner alles ab. Schliesslich musste er sich aber dem Routinier geschlagen geben. Trotz verpasstem Kranz konnte er auf einen geglückten Wettkampf zurückblicken und ebenfalls wertvolle Erfahrungen für die Zukunft sammeln.
Roman Wandeler verletzt
Das grosse Rottaler Talent, Roman Wandeler, startete bei seinem ersten ESAF mit einem Sieg über Simon Winzeler stark in den Wettkampf. Im zweiten Gang bekam er es dann mit dem Mitfavoriten Damian Ott zu tun, welchem er alles abverlangte und erst gegen Gangende eine Niederlage einstecken musste. Nach einem platten Sieg über Martin Rolli im dritten Gang wurde ihm im vierten Gang der Saisondominator Samuel Giger zugeteilt. Gegen den meistgenannten Favoriten auf den Königstitel kämpfte Roman stark, musste die Stärke seines Widersachers schliesslich aber anerkennen und eine Niederlage einstecken. Am Sonntagmorgen wurde ihm mit Sinisha Lüscher ein grosses Nordwestschweizer Nachwuchstalent zugeteilt. Roman suchte in diesem Duell sofort den Sieg, verdrehte sich aber bei einem Konterversuch seines Gegners das Knie unglücklich und musste in der Folge den Wettkampf mit grossen Schmerzen abbrechen. Ein herber Verlust für das junge Rottaler Team. Roman verpasste bereits die komplette letzte Schwingsaison aufgrund eines Kreuzbandrisses, kämpfte sich eindrucksvoll auf diese Saison hin zurück und zeigte herausragende Leistungen vor und während des Eidgenössischen Schwingfestes in Pratteln. Seine Supporter und die Teamkollegen wünschen ihm eine rasche Genesung und sind überzeugt, dass sich der grosse Kämpfer aus Buttisholz erfolgreich zurückkämpfen wird.
Nicht auf Touren kamen der Rottaler Eidgenosse Stefan Stöckli und Urs Riebli. Beide verpassten nach vier Gängen die Qualifikation für den zweiten Wettkampftag.
Der Einzug für den Kranzgewinner Sven Schurtenberger und den weiteren Teilnehmern des Schwingklubs Rottal findet am nächsten Montag, 5. September 2022 um 19.00 Uhr auf dem Dorfplatz in Ruswil statt.
































