Überragender Auftritt der Rottaler am Eidgenössischen

Geschrieben von Daniel Widmer

Am vergangenen Wochenende fand das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Estavayer statt. Mit Matthias Glarner wurde zum dritten Mal in Folge ein Berner Schwingerkönig. Einen tollen Wettkampf gelang den Rottalern, die sich sensationell drei Kränze eroberten.

Den über 50‘000 Zuschauern in der Broye-Arena wurde über die ganzen zwei Tage spektakulärer Schwingsport geboten. Die 275 angetretenen Schwinger gingen bei hohen Temperaturen äusserst konzentriert und motiviert in die Zweikämpfe. Während es für die einen um den Königstitel ging, setzten sich andere den Eidgenössischen Kranzgewinn zum Ziel. Die meistgenannten Favoriten auf den Festsieg waren nach dem ersten Wettkampftag noch alle an der Spitze vertreten. Der amtierende Schwingerkönig Matthias Sempach konnte sich nach dem Startunentschieden gegen Christian Schuler und drei Siegen weiter Hoffnungen auf die Titelverteidigung machen. Der Bündner Überflieger Armon Orlik startete mit drei Siegen stark, musste sich von Sempach im vierten Gang dann aber bezwingen lassen. Noch einen Viertelpunkt vor diesen beiden klassierten sich die Mitfavoriten Christian Stucki, Remo Käser und Matthias Glarner. Der Haslitaler Glarner liess vor allem mit dem Startsieg gegen Unspunnensieger Daniel Bösch aufhorchen und zeigte auch beim Gestellten gegen das Thurgauer Talent Samuel Giger eine starke Leistung. Während Stucki, Käser, Schuler und Bösch sich gegenseitig am Sonntagmorgen mit Gestellten ausmanöverierten, setzten Orlik, Giger und Glarner ihren Siegeszug fort. König Sempach blieb ebenfalls nicht unverschont und musste im sechsten Gang gegen den Rottaler Sven Schurtenberger die Punkte teilen. Obwohl der 18-jährige Samuel Giger im sechsten und siebten Gang die gestandenen Spitzenschwinger Simon Anderegg und Philipp Laimbacher besiegen konnte, fehlte ihm einen Viertelpunkt zur Schlussgangqualifikation.

 

Der Schlussgang

Für den auf 16 Minuten angesetzten Schlussgang qualifizierten sich somit der 21-jährige Bündner Armon Orlik und den um zehn Jahre älteren Berner Matthias Glarner. Für Orlik bot sich die Chance, seinen kometenhaften Aufstieg mit einem Schlussgangerfolg fortzusetzen. Er war in diesem Jahr mit sechs Kranzfestsiegen der erfolgreichste Schwinger. Für Routinier Glarner hingegen bot sich die einmalige Gelegenheit, aus dem Schatten seiner starken Berner Verbandskollegen zu treten. Obwohl er in seiner Laufbahn satte 108 Kränze und 14 Kranzfestsiege herausschwang, tritt er bisher an Grossanlässen meist als Helfer von Sempach, Stucki und Wenger in Erscheinung.

Die Rollenverteilung im Schlussgang war bereits im Vorfeld zu erahnen. Orlik, der in den meisten Gängen jeweils den offensiven Part übernahm und Glarner, der eher taktierte und mit blitzschnellen Kontern die Entscheidungen herbeiführte  . Genauso verlief dann auch der Schlussgang. Während der Nordostschweizer Shootingstar attackierte, blieb der Berner seiner Taktik treu und wartete jeweils geschickt auf den richtigen Moment um einen gefährlichen Konter zu lancieren. Nach 13 Minuten geschah dann das, was sich im Verlauf des Schlussgangs abzeichnete. Glarner konterte einen Kurzangriff mit herrlichem Kreuzgriff und bettete seinen Gegner unwiderstehlich ins Sägemehl. Unter frenetischem Applaus der Zuschauer wurde der neue König von seinen Klubkameraden in die Höhe gehoben und durfte anschliessend mit dem Siegerpreis, Holstein-Stier „Mazot de Cremo“, vor die Medienschaffenden treten.

 

Schurtenberger sehr stark

Mit dem klaren Ziel den erstmaligen Kranzgewinn an einem Eidgenössischen zu realisieren, tritt Sven Schurtenberger zum Wettkampf an. Normalerweise nicht als Schnellstarter bekannt, verlief der Start am Samstag jedoch optimal. Die ersten zwei Gänge gegen Mario Schneider und Samuel Dind konnte er jeweils in überzeugender Manier für sich entscheiden. Nach der Mittagspause wurde ihm mit dem Emmentaler Matthias Siegenthaler, Vierter in Burgdorf 2013, ein harter Brocken zugeteilt, welchem er schlussendlich dann auch unterlag. Mit dem souveränen Sieg gegen Roman Sommer im vierten Gang klassierte sich Sven zur Halbzeit des Wettkampfes im dritten Rang. Zu einem weiteren packenden Duell kam es bereits am Sonntagmorgen gegen den diesjährigen Sieger des Nordwestschweizerischen, Bruno Gisler. Auch von diesem Hochkaräter liess sich Sven nicht einschüchtern und setzte sich mit einem herrlich angesetzten Kopfgriff durch. Nun mischte er voll an der Spitze mit und mit König Matthias Sempach wartete wiederum ein ganz starker Gegner. Da Sven gegen Sempach am Berner Kantonalen bereits eine starke Vorstellung zeigte und dort stellte, stieg er auch hier mit viel Zuversicht in den Ring. Sempach war gewarnt, ging nicht volles Risiko ein und so endete das Duell gestellt. Die Ausgangslage vor dem Kranzausstich war für Sven nahezu perfekt. Im vorletzten Kampf hiess sein Gegner Nick Alpiger. Gegen den defensiv starken Nordwestschweizer musste er dann leider eine unnötige Niederlage einstecken, was die Ausgangslage für den achten Gang massiv veränderte. Nun musste plötzlich ein Sieg oder ein gut bewerteter Gestellter her um den Kranz auf sicher zu haben. Mit Beat Clopath, Bündner Eidgenosse und Sieger des St. Galler Kantonalen in diesem Jahr, wartete ein schwieriger Gegner auf Sven. Doch wie auf der Schwägalp vor zwei Wochen nahm er die Hürde Clopath auch in Estavayer. Der Kranzgewinn war geschafft und der Neueidgenosse durfte sich im achten Rang inmitten der Schwingerelite einreihen.

 

Philipp Gloggner’s zweiter Streich

Auch Philipp Gloggner setzte sich den Kranzgewinn zum Ziel. Unvergessen war für ihn der Erfolg in Burgdorf 2013, als er sich zum ersten Mal den Eidgenössischen Kranz erkämpfen konnte. Genau dieses Gefühl der Genugtuung wollte er auch in der Westschweiz erleben. Mit einem Blitzsieg gegen Roger Erb verlief der Start für ihn optimal. Im zweiten Gang wartete dann die grosse Berner Hoffnung Remo Käser auf ihn. Philipp taktierte geschickt in diesem Duell und trotzte dem Berner Mitfavoriten einen Gestellten ab. Im dritten Gang besiegte er dann erwartungsgemäss Simon Brodard, ehe der Schwingerkönig von Frauenfeld 2010, Kilian Wenger, auf ihn wartete. Gegen Wenger verlor er dann leider zum Abschluss des ersten Wettkampftages. Den zweiten Wettkampftag nahm Philipp dann wieder voller Tatendrang in Angriff und legte seinen Gegner Stefan Gäumann resolut auf die Schultern. Ein wegweisendes Duell bahnte sich im sechsten Gang gegen Matthias Aeschbacher an. Der Berner Spitzenschwinger steigerte sich in den letzten zwei Jahren enorm und konnte mit seinem gefährlichen Inneren Haken schon diverse namhafte Athleten besiegen, unter anderem Schwingerkönig Sempach. Philipp stellte sich sensationell auf seinen Widersacher ein und fand das passende Rezept um auch die Hürde Aeschbacher zu nehmen. Im Kranzausstich folgte die Begegnung mit Daniel Bösch, welchem Philipp unterlag. Dank starker Vorarbeit konnte er im letzten Gang mit dem Sieg gegen Florian Weyermann den Kranz doch noch ins Trockene bringen. Mit dieser Topleistung reihte sich Philipp im starken neunten Rang ein.

 

Neueidgenosse Stöckli

Neben Sven Schurtenberger und Philipp Gloggner schaffte auch Stefan Stöckli das Kunststück, sich unter die besten 46 Schwinger des wichtigsten Anlasses im Schwingsport zu mischen. Stefan startete verhalten in  den Wettkampf. Gegen die verteidigungsstarken Pascal Piemontesi und Mario Schneider fand er das passende Rezept nicht und musste jeweils einen Gestellten hinnehmen. Vor allem gegen Schneider war er dem Sieg sehr nahe. Gegen Reto Landolt liess er dann nichts anbrennen und siegte souverän. Im vierten Gang wartete mit Philipp Reusser dann bereits der nächste unbequeme Gegner auf Stefan. Reusser, der sich später ebenfalls den Kranz holte, erwies sich als ebenbürtig und der Gang endete gestellt. Am Sonntagmorgen wurde ihm dann mit Kilian Wyss ein weiterer Berner zugeteilt. Auch in diesem Kampf wollte sich keiner bezwingen lassen und Stefan stand mit dem Rücken zur Wand. In den letzten drei Gängen benötigte er drei Vollerfolge, ansonsten wäre der Traum vom Eidgenossen vorläufig geplatzt. Im sechsten Gang fand Stefan dann auf die Siegerstrasse zurück und bezwang Samuel Schmid resolut. Im siebten Gang gegen Stefan Marti musste er wieder sein ganzes Können auspacken und das gelang ihm dann auch eindrücklich. Im alles entscheidenden Kampf musste Stefan nicht nur gewinnen, sondern es brauchte auch noch unbedingt einen Plattwurf, um auf die kranzberechtigte Punktzahl zu kommen. Mit einem beweglichen und taktisch disziplinierten Gegner wie Gustav Steffen alles andere als eine einfache Aufgabe. In diesem Kampf zeigte sich aber die grosse Stärke von Stefan. Mit seiner hervorragenden Beinarbeit überwand er die Hürde Steffen und das auch noch mit einem herrlichen Plattwurf. Nach kurzer Dauer der Ungewissheit ob die Punktzahl 74.50 für den Kranz reicht, war es dann definitiv klar, dass das Rottal sensationell seinen dritten Eidgenossen in den Reihen hatte.

Weniger erfreulich endete das Fest für Armin Muff. Nach sechs Gängen und dem Sieg gegen Eidgenosse Raphael Zwyssig hatte er die Chance zweimal um den Kranz zu schwingen. Im siebten Gang verletzte er sich unglücklich an den Rippen und verlor. Er entschied sich den letzten Gang schwer handicapiert zu bestreiten. Mit dieser Verletzung war es für ihn dann allerdings unmöglich Gegenwehr zu leisten und verlor dementsprechend das Kranzduell gegen den Eidgenossen Niklaus Zenger.

Roger Bürli schied nach sechs Gängen aus dem Wettkampf aus. Nachdem er am Samstag mit einem Gewonnenen und drei Gestellten die Qualifikation für den Sonntag überstand, verlief der Start am Sonntagmorgen unglücklich. Ihm wurde gleich der Schwingerkönig von 2001, Arnold Forrer, zugeteilt. Er verlor diesen Gang und musste anschliessend im sechsten Gang einen weiteren Gestellten hinnehmen. Gar nicht auf Touren kam Reto Gloggner. Er verpasste die Qualifikation für den Sonntag um das berüchtigte “ Vierteli“.