Schurtenberger siegt sensationell auf der Rigi

Geschrieben von Daniel Widmer

Am letzten Sonntag fand der Bergklassiker auf der Rigi statt. Unter den 90 angetretenen Schwingern waren 19 Eidgenössische Kranzträger. Der Rottaler Sven Schurtenberger düpierte die Konkurrenz und landete an diesem prestigeträchtigen Bergfest vor 4000 Zuschauern seinen bisher grössten Sieg.

Dass Sven Schurtenberger mittlerweile zur nationalen Spitze im Schwingsport gehört, weiss jeder, der sich auch nur ein bisschen mit dem Traditionssport befasst. In der Vergangenheit liess er bereits mit Siegen gegen Kilchbergsieger Christian Stucki und Unspunnensieger Daniel Bösch aufhorchen, gewann bereits das Luzerner Kantonalschwingfest zweimal und reussierte am diesjährigen Urner Kantonalen. Zu all diesen Siegen reihte er diverse Spitzenplätze und ebnete an grossen Festen oft anderen den Weg zum Sieg. Am diesjährigen Rigi-Schwinget war nun aber seine Zeit für einen ganz grossen Festsieg gekommen. Der Start deutete aber noch nicht auf diesen grossartigen Erfolg hin. Im ersten Gang wurde ihm der Ostschweizer Eidgenosse Daniel Bösch zugeteilt. Da Sven diesen Gegner auch schon bezwingen konnte, suchte er den Erfolg in der Offensive und wurde von Bösch augekontert. Obwohl die Niederlage ärgerlich war, liess sich das Rottaler Aushängeschild nicht beirren und startete zu einer grandiosen Aufholjagd. Im zweiten Gang  gegen den defensiv starken Mario Schneider gab er auf Anhieb den Takt an und konnte sich so die erste Maximalnote auf seinem Notenblatt gutschreiben lassen. Auch im dritten Gang wurde er seiner Favoritenrolle gerecht und besiegte den Nordwestschweizer Ringerspezialisten Yanick Klausner ebenfalls platt. Somit hatte er zur Halbzeit wieder einige Punkte auf die Ranglistenspitze  gut gemacht und konnte sich nach wie vor berechtigte Hoffnungen auf eine Schlussgangqualifikation machen. Da das Teilnehmerfeld gespickt mit diversen Eidgenossen aus der Nordost-, Nordwest- und der Innerschweiz war, wurde ihm im vierten Gang logischerweise auch so einer zugeteilt. Mit Martin Herrsche bekam er es mit einem sehr stabilen und schwer zu bezwingenden Gegner zu tun. Dieser konnte sich wie Sven am vergangenen Eidgenössischen Schwingfest als Neueidgenosse küren lassen. Mit einer Gelassenheit wie man sie nahezu von keinem Schwinger kennt, stieg der Rottaler in den Ring und griff sofort wieder resolut an. Herrsche hatte an diesem Tag nichts Vergleichbares entgegenzusetzen und musste sich das Sägemehl vom Rücken wischen lassen. Der fünfte Gang bestritt Sven gegen Andreas Ulrich, den Sieger vom diesjährigen Schwyzer Kantonalfest und Schlussgangteilnehmer am Innerschweizerischen in Alpnach. Das Duell „Schurtenberger-Ulrich“ gab es bereits in Malters am Luzerner Kantonalfest, welches dort im vierten Gang gestellt endete. Schon damals hatte es sich aber abgezeichnet, dass Ulrich für Sven in absoluter Reichweite lag und ein Sieg gegen den vierfachen Eidgenossen an diesem Tag möglich war. Ohne lange abzuwarten drängte Sven auch Ulrich in die Defensive und bearbeitete ihn bis zum gültigen Resultat mit seinem Spezialschwung „Links übers Knie“. Mit der vierten Maximalnote in Folge klassierte sich Sven nach fünf Gängen an zweiter Stelle. Bruno Nötzli lag mit fünf Siegen noch vor ihm und Joel Wicki war punktgleich mit Sven. Die Einteilung entschied sich für Wicki als Schlussganggegner von Nötzli, da dessen Notenblatt keine Niederlage aufwies.

Von der Dusche in den Schlussgang

Ein wenig enttäuscht, aber trotzdem noch mit grossem Tatendrang nahm Sven somit seinen sechsten Gang gegen den Nordwestschweizer Spitzenschwinger Bruno Gisler in Angriff. Letztes Jahr in Estavayer konnte er diesen noch auf grandiose Art und Weise bezwingen, dieses Mal teilten sie sich nach einem packenden Kampf die Punkte. Trotz diesem Gestellten hatte Sven den zweiten Rang und so einen weiteren Spitzenplatz auf sicher. Was sich aber in der Folge abspielte, gab es noch selten an einem Schwingfest. Bruno Nötzli verletzte sich im Schlussgang gegen Joel Wicki und konnte den Wettkampf in der Folge nicht beenden. Das Einteilungskampfgericht musste in der Folge einen anderen Gegner für den Schlussgang nachnominieren. Da Sven nach Nötzli und Wicki Punkthöchster war, bestritt er schliesslich die Endausmarchung gegen den Sörenberger. Da für Sven zuvor der Wettkampf eigentlich schon beendet schien, konnte er sich frisch geduscht noch einmal im Schwingertenü beweisen. Im Schlussgang behielt dann der in Buttisholz wohnhafte Rottaler das bessere Ende für sich. Er nutzte eine kleine Unachtsamkeit seines Gegners am Platzrand aus und kam nach 2:10 Minuten einmal mehr mit seinem Spezialschwung „Links übers Knie“ zum Sieg. Mit dem Viertelpunkt, den es für den gewonnenen Zusatzgang gab, setzte sich Sven an die Ranglistenspitze und konnte sich als Festsieger feiern lassen.